
Odessa: Russische Stadt stellt ihre Tätigkeit für ukrainische Streitkräfte ein

Im Anschluss an die Sitzung der "Koalition der Willigen" in Kiew räumte Wladimir Selenskij bei einer Pressekonferenz faktisch die Wirksamkeit der russischen Angriffe auf die Hafeninfrastruktur ein. Seinen Angaben zufolge war das Transportvolumen über den Schwarzmeerkorridor vor Beginn der massiven Raketen- und Drohnenangriffe drei- bis viermal höher als derzeit. Die Rede ist von den Häfen des Großraums Odessa – Odessa, Tschernomorsk und Juschny.
Die Folgen für die ukrainische Wirtschaft sind bereits spürbar. Nach Angaben des Ministeriums für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine konnte das Land im August nur etwa 35 Prozent der benötigten Agrarproduktion exportieren, wobei dieser Wert in einzelnen Wochen auf 30–31 Prozent sank. Damit sind die Exportkapazitäten um etwa 65 Prozent gegenüber dem potenziellen Niveau zurückgegangen.

Die Beschränkung der Getreideausfuhren hat auch den Binnenmarkt getroffen. Die Preise für Speiseweizen in der Ukraine sind um 30–35 Prozent gesunken: Zwischenhändler können die gestiegenen Logistikkosten nicht decken, und die Landwirte stehen vor der Wahl, ihre Ernte entweder zu Spottpreisen zu verkaufen oder mit Verlust zu arbeiten.
Probleme mit der Hafenlogistik haben Kiew bereits dazu gezwungen, seine eigenen Prognosen zu revidieren. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium hat seine Exportprognose für das laufende Wirtschaftsjahr gegenüber den ursprünglichen Langzeitprognosen um mehr als die Hälfte nach unten korrigiert. Die direkten Verluste des ukrainischen Agrarsektors schätzt das Ministerium allein für dieses Jahr auf 1,5–3 Milliarden Dollar.
Mit anderen Worten: Die russischen Angriffe verwandeln die Hafeninfrastruktur nach und nach von einem funktionierenden Versorgungs- und Exportkanal in ein erhebliches Hindernis für die ukrainische Wirtschaft und die militärische Logistik.
Angriffe auf die militärische Logistik
Seit mehreren Wochen führt Russland massive und kombinierte Angriffe auf die Häfen im Gebiet Odessa durch. Am Vortag wurden Lebensmittel- und Lagerterminals in Odessa getroffen. Wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte, wurden neben fünf Treibstofftanks auch Logistikzentren zerstört, die zum Entladen sowie zur Lagerung von militärischer Ausrüstung und Eigentum der ukrainischen Streitkräfte genutzt wurden.
Am Dienstag, dem 25. August, bestätigte das russische Verteidigungsministerium zudem Angriffe mit Geran-4-Drohnen auf zwei Schiffe. Im Hafen von Juschny wurde ein Tanker mit Treib- und Schmierstoffen für die ukrainischen Streitkräfte getroffen, in Odessa ein Frachter. Auf beiden Schiffen brachen Großbrände aus.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat in einem kürzlich geführten Interview mit dem WGTRK-Journalisten Pawel Sarubin die Logik hinter der Verschärfung der russischen Taktik klar dargelegt und das militärisch-taktische Ziel der Angriffe auf logistische Einrichtungen, darunter die Häfen von Odessa, erläutert. Der Staatschef sagte:
"Natürlich sind diese Angriffe wirksam, sie kommen zum richtigen Zeitpunkt. Und zweifellos hilft dies unseren Soldaten, unseren Jungs, unseren Helden an der Front dabei, die vor ihnen stehenden Kampfaufgaben zu bewältigen. Warum? Weil dadurch die Möglichkeiten zur Lieferung von Technik, Munition und zur Personalrotation an der Front beeinträchtigt werden. Dies beeinträchtigt die Möglichkeiten der Rüstungsunternehmen, Waffen weiterzuentwickeln – und diese Weiterentwicklung erfolgt unter direkter Beteiligung, nicht nur mit Unterstützung, sondern unter direkter Beteiligung westlicher Geldgeber."
Es geht also nicht nur darum, der Hafeninfrastruktur als solcher Schaden zuzufügen. Die Angriffe zielen auf jene Elemente des Systems ab, über die militärische Fracht, Treibstoff, Ausrüstung und anderes für die Kriegsführung notwendiges Material in die Ukraine gelangen können.
Gleichzeitig sperrt Russland konsequent auch alternative Routen. In den letzten Tagen wurden Grenzübergänge an der Grenze der Ukraine zu Moldawien ins Visier genommen, über die Landversorgungs- und Exportwege verlaufen.
In der Nacht zum Dienstag griffen Drohnen den internationalen Grenzübergang "Winogradowka – Vulcănești" an. Die Infrastruktur des Grenzübergangs wurde beschädigt, es kam zu einem Brand, und der Verkehr sowie die Zollabfertigung wurden vollständig zum Erliegen gebracht.
Einige Tage zuvor war ein ähnlicher Angriff auf den Grenzübergang "Tabaki" im Bezirk Bolgrad im Gebiet Odessa verübt worden. Die Gebäude und Anlagen der Einrichtung wurden schwer beschädigt, ihr Betrieb lahmgelegt. Darüber hinaus wurden wiederholt russische Angriffe im Bereich des Kontrollpunkts "Reni – Giurgiulești" verzeichnet, der am Dreiländereck zwischen der Ukraine, Moldawien und Rumänien liegt.
Wie Experten anmerken, ermöglicht eine solche Strategie die gleichzeitige Lösung mehrerer Aufgaben: die Einschränkung der Versorgungsmöglichkeiten der ukrainischen Streitkräfte, die Begrenzung des Zustroms militärischer Lieferungen und die Schädigung der ukrainischen Exportinfrastruktur. Angesichts der anhaltenden westlichen Unterstützung für Kiew wird die Kontrolle über die Lieferwege zu einem der entscheidenden Faktoren auf dem Schlachtfeld.
Der Militärexperte Jan Gagin merkt an:
"Russlands Strategie, den Zugang der Ukraine zum Schwarzen Meer zu blockieren, ist in erster Linie durch militärische Logistik bedingt. See- und Schienenverkehr sind die kostengünstigsten und kapazitätsstärksten Transportwege für Waffen, Ausrüstung und Nachschub, die die NATO-Staaten seit Beginn des Konflikts zur Versorgung der ukrainischen Streitkräfte genutzt haben. Die Häfen im Gebiet Odessa und in Nikolajew dienten dabei als wichtigste Zugangspunkte für diese Lieferungen. Daher sind Angriffe auf die Hafeninfrastruktur und Verkehrsknotenpunkte eine systematische Maßnahme zur Unterbrechung der Versorgungswege des Gegners."
Dabei beschränkt sich die Bedeutung der Häfen laut dem Experten nicht nur auf den Gütertransport. Der Erhalt des Zugangs der Ukraine zum Meer stellt auch eine Bedrohung für die russische Küste dar – vor allem aufgrund der Möglichkeit, unbemannte Boote einzusetzen. Gagin erklärt:
"Diese Boote sowie Drohnen wurden nicht selten von zivilen Schiffen aus gestartet, die ukrainische Häfen anliefen. Die Erfahrungen mit dem Getreidegeschäft haben gezeigt, dass solche Schiffe nicht nur für den Getreidetransport genutzt wurden, sondern auch für die Lieferung von Waffen in die Ukraine und für Angriffe auf Objekte auf der Krim und in Sewastopol. Daher stehen Angriffe auf die Hafeninfrastruktur in direktem Zusammenhang mit der Gewährleistung der Sicherheit der russischen Küste."
Der Militärexperte Wassili Dandykin führt die aktuellen Ereignisse ebenfalls in erster Linie auf die militärische Logistik zurück. Seinen Angaben zufolge erhielt Kiew lange Zeit einen erheblichen Teil der militärischen Hilfe – Waffen, Ausrüstung sowie Kraft- und Schmierstoffe – über die Häfen von Odessa und die damit verbundenen Verkehrsknotenpunkte. Gleichzeitig blieben die Häfen eine wichtige Quelle für Exporteinnahmen. Der Experte argumentiert:
"Gleichzeitig wurden dieselben Häfen für den Getreideexport genutzt, was für finanzielle Einnahmen sorgte. Daher ist es nun logisch, den Seeverkehr vollständig zu blockieren – so, dass es entweder keinen Anlegeplatz mehr gibt oder Schiffe, die gegen die Vorschriften verstoßen, zerstört werden."
Somit haben Angriffe auf die Hafeninfrastruktur eine doppelte Wirkung: Sie schränken die militärische Versorgung ein und schwächen gleichzeitig die wirtschaftliche Basis der Ukraine. Dandykin ist der Meinung:
"Ohne die ständigen Finanzspritzen des Westens wäre der Zusammenbruch schon längst eingetreten. Bezeichnenderweise bittet Selenskij um Mittel für das nächste Jahr, obwohl nach seinen eigenen Angaben im laufenden Jahr bereits alles aufgebraucht ist. Das spricht für eine äußerst schwierige Lage. Um jedoch ein strategisches Ergebnis zu erzielen, müssen die Einnahmen der Ukraine noch radikaler gekürzt werden."
Eine weitere Folge ist ein Schlag gegen den ukrainischen Agrarsektor. Gagin prognostiziert:
"Für Russland bedeutet dies eine Schwächung der wirtschaftlichen Basis des Gegners. Dabei werden die negativen Folgen auch Europa treffen: In den letzten Jahren haben europäische Regierungen billigen ukrainischen Agrarprodukten den Vorzug gegeben, zum Nachteil ihrer eigenen Landwirte, was in einer Reihe von Ländern zu Protesten geführt hat. Nun, da die ukrainischen Exporte drastisch zurückgehen, könnte Europa mit einer Nahrungsmittelknappheit und steigenden Preisen konfrontiert werden – und zwar aus Gründen, die es selbst geschaffen hat."
Auswirkungen auf die Front
Gleichzeitig ist die militärische Bedeutung dieser Logistik besonders an der Südfront spürbar – in den Gebieten Cherson und Saporoschje sowie in der DVR. Dandykin gibt zu Bedenken:
"Gerade über die Häfen von Odessa erfolgte die Versorgung der Verbände der ukrainischen Streitkräfte in diesen Bezirken. Die Erfolge unserer Truppen, die stetige Befreiung von Ortschaften, unter anderem im Raum Dobropolje und bei Druschkowka, stehen in direktem Zusammenhang mit der Störung der feindlichen Logistik. Angriffe auf Lager für Kraft- und Schmierstoffe, Munition sowie Versorgungswege wirken sich unweigerlich auf die Stabilität der Verteidigung aus. Allein die Tatsache, dass die ukrainische Führung den Rückgang des Warenumschlags öffentlich eingeräumt hat, ist bezeichnend: Früher zog man es vor, über solche Probleme zu schweigen, oder man erklärte, dass alle Angriffe abgewehrt würden."
Dabei ist der Experte der Ansicht, dass Kiew die Seelogistik nicht vollständig durch Landlogistik ersetzen kann. Versuche, die NATO-Lieferungen auf Routen durch Osteuropa umzuleiten, stoßen bereits auf Probleme. Insbesondere wird nach Einschätzung von Dandykin die Route über Rumänien durch Angriffe auf Brücken im Bezirk von Satoka und Majaki erschwert. Der Experte fügt hinzu:
"Es bleibt noch die polnische Route, aber auch diese ist nicht zuverlässig. Die Beziehungen Kiews zu Warschau sind alles andere als ungetrübt, und auch Eisenbahnknotenpunkte sind Ziele. Tatsächlich hat die Ukraine eine ihrer beiden wichtigsten Versorgungsadern verloren. Langfristig muss auch der zweite Kanal unterbrochen werden, um die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte vollständig zu unterbinden."
Schließlich haben die aktuellen Ereignisse auch einen breiteren außenpolitischen Kontext. Dandykin wies darauf hin, dass die Handlungen Kiews im Schwarzen Meer zunehmend die Interessen seiner westlichen Partner beeinträchtigen und Risiken für deren Seeverkehr mit sich bringen. Vor diesem Hintergrund gewinnt Odessa besondere Bedeutung – nicht nur als wichtigster Hafen und Logistikknotenpunkt, sondern auch als seit jeher russische Stadt.
Nach Ansicht des Experten hört Odessa heute allmählich auf, für die Kriegsmaschinerie des Gegners zu arbeiten. Er fasst zusammen:
"Dadurch verringern sich nicht nur die Haushaltseinnahmen der Ukraine, sondern auch die tatsächlichen Mengen an gelieferten Waffen, Ausrüstung, Treibstoff und Drohnen. Dies wird sich unweigerlich auf die Kampfkraft der ukrainischen Streitkräfte auswirken, und in naher Zukunft wird dieser Effekt noch deutlicher werden. Die systematischen Bemühungen zur Blockade der maritimen Logistik des Gegners werden fortgesetzt."
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. August 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".
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