Nordamerika

Kanada macht Ernst: Ottawa setzt Gegenzölle auf US-Importe in Kraft

Kanada verschärft den Handelsstreit mit den USA und setzt Gegenzölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar in Kraft. Premierminister Mark Carney stellt sich damit offen gegen Donald Trump – und riskiert eine weitere Eskalation des Konflikts.
Kanada macht Ernst: Ottawa setzt Gegenzölle auf US-Importe in Kraft

Im Handelsstreit mit den USA sind die von Kanada verhängten Gegenzölle in Kraft getreten. Die Aufschläge von 15 bis 50 Prozent betreffen US-Waren im Gesamtwert von rund 20 Milliarden Dollar (17,2 Milliarden Euro), darunter Stahl- und Aluminiumprodukte sowie Milchprodukte. Einige Meeresfrüchte wurden nachträglich von der Liste gestrichen.

Der Handelsstreit zwischen den beiden Nachbarländern hatte sich im August nach dem Scheitern von Verhandlungen verschärft. Vor gut zwei Wochen traten US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren wie alkoholische Getränke, Milchprodukte, Hockeyschläger und Sperrholz in Kraft. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin Gegenzölle an.

Die Vergeltungszölle, die am Dienstag um 0.01 Uhr Ortszeit an der US-Ostküste in Kraft traten, zeigen Carneys Widerstand gegen die zunehmenden Drohungen Trumps. Dieser versucht seit mehr als zwei Wochen, Kanada wirtschaftlich unter Druck zu setzen und zu demütigen – begleitet von gegenseitigen Schuldzuweisungen und Drohungen.

Carneys Reaktion hebt ihn als einen der wenigen Regierungschefs hervor, die sich Trump entgegenstellen, während dieser seine Verbündeten in zahlreichen Fragen offen angreift.

Umfragen zeigen, dass die Kanadier Carneys Entscheidung, die Handelsgespräche mit Washington im vergangenen Monat abzubrechen und mit Zöllen auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar zu reagieren, mit großer Mehrheit unterstützen.

Gleichzeitig wächst die Sorge darüber, was als Nächstes passieren könnte. Trump hat wiederholt mit einer neuen Runde amerikanischer Zölle gedroht, sollte Kanada seinen Kurs fortsetzen. Vertreter der kanadischen Industrie rechnen offenbar damit, dass Trump seine Drohung tatsächlich wahr machen könnte.

Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump damit gedroht, den Verkauf von Flugzeugen des kanadischen Herstellers Bombardier in den Vereinigten Staaten zu blockieren, und rief den in Quebec ansässigen Konzern auf, seine Flugzeuge künftig in den USA zu bauen.

Carney kündigte die neuen kanadischen Zölle an, nachdem er die kanadischen Unterhändler im vergangenen Monat aus den Gesprächen in Washington abgezogen hatte. Das Ziel der letztlich gescheiterten Verhandlungen war, US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Exporte im Wert von 20 Milliarden Dollar zu verhindern und die Zölle von bis zu 50 Prozent auf kanadischen Stahl, Aluminium und Automobile zu senken oder vollständig abzuschaffen.

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