
Neuer PISA-Schock: Deutschlands Schüler schneiden so schlecht ab wie noch nie

Vor 25 Jahren war Deutschland im "PISA-Schock": Die internationale OECD-Vergleichsstudie zum Bildungsstand der Schüler beendete Deutschlands Illusion, ein leistungsfähiges Bildungssystem zu haben. Ein Vierteljahrhundert später hat sich die Lage nicht gebessert. Im Gegenteil, es droht der PISA-Schock 2.0.
Denn die 234-seitige aktuelle Ausgabe der PISA-Studie für Deutschland, die am Dienstag präsentiert wurde, konstatiert: Die Resultate sind so schlecht wie nie zuvor. Das betrifft insbesondere die Leistungen der 15-Jährigen im Lesen, in Mathematik und in Naturwissenschaften. Diese sind laut der Studie auf einem "historischen Tiefstand".

"Die Jugendlichen in Deutschland erzielen in Naturwissenschaften, im Lesen und in Mathematik so niedrige Ergebnisse wie noch nie seit Beginn der PISA-Studien", so die in Deutschland verantwortlichen Forscher der Technischen Universität München über ihre Ergebnisse. Zugleich schrumpft in Deutschland die Leistungsspitze: Der Anteil der Schüler, der bei PISA die beiden höchsten Kompetenzstufen erreicht, liegt in allen drei Feldern unter zehn Prozent.
Deutschland liegt damit zwar in allen drei Testfeldern weit abgeschlagen hinter Ländern wie Japan, Südkorea, Großbritannien oder Kanada, aber immer noch grob im OECD-Schnitt und teils leicht über dem EU-Schnitt. Doch auch diese Mittelmäßigkeit gibt wenig Anlass zum Jubeln: Denn die Leistungen sind auch im OECD-Schnitt "auf die niedrigsten je beobachteten Werte" gesunken, und der Negativtrend in Deutschland ist laut den PISA-Forschern "besonders deutlich". Außerdem seien die Ergebnisse in mehreren Ländern zuletzt stabil geblieben oder hätten sich sogar verbessert.
Zwar ging es nach dem "PISA-Schock" 2001 bei den deutschen Testergebnissen in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften deutlich aufwärts, doch dieser Trend hielt nur rund ein Jahrzehnt an. Seit 2015 geht die Tendenz wieder nach unten, seit 2018 in beschleunigtem Tempo.
Vor allem zeigen sich die Forscher alarmiert über den wachsenden Anteil junger Leute, denen sogenannte Basiskompetenzen fehlen und die Schwierigkeiten haben, "grundlegende Anforderungen zu erfüllen". Bei einem Viertel der Getesteten gilt das für die Naturwissenschaften. In Mathematik gehört ein Drittel der 15-Jährigen zu den Leistungsschwächsten. Diese haben Mühe zu erkennen, ob sich beispielsweise ein Rabattangebot beim Einkaufen lohnt.
Auch beim Lesen verfügt fast ein Drittel nur über rudimentäre Fähigkeiten. Den Schülern fehlt damit eine Schlüsselkompetenz – fürs Lernen und fürs spätere Leben. Schon im Vorschulalter sollten mögliche Lernprobleme entdeckt und angegangen werden. "Vor allem Kenntnis der Unterrichtssprache ist der Schlüssel zu allen anderen Fächern", sagte Studienleiter Samuel Greiff bei der Präsentation der Ergebnisse.
Zuwanderung ist laut Greiff ein Faktor, da dadurch die Schülerschaft "heterogener geworden" sei. Zugleich betont der Bildungsforscher jedoch: "Die Trennlinie läuft nicht zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungshintergrund, sondern zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien."
Während Deutschland es bei den "kognitiven Kompetenzen" immerhin ins Mittelfeld schafft, gehört es in Sachen Chancengerechtigkeit immer noch zu den Schlusslichtern. Der Zusammenhang zwischen den Leistungen und der sozialen Herkunft ist "überdurchschnittlich stark ausgeprägt".
Er habe seit 2015 noch mal zugenommen und sei "heute so groß wie nie" seit der ersten Erhebung im Jahr 2000, so die PISA-Forscher. Nach dem "PISA-Schock" 2001 hatte die damalige Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) gesagt: "In keinem anderen Land werden Begabungen von Kindern so häufig verschenkt wie in Deutschland." Geändert hat sich daran offenbar leider nichts.
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