Kleinliche Rache Londons? Drohnen zerstören Krimkrieg-Panorama in Sewastopol

Am Mittwoch haben ukrainische Drohnen ein historisch bedeutendes Schlachtpanorama in Sewastopol zerstört: "Verteidigung Sewastopols 1854-55". Es war für die Identität der russischen Krim bedeutsam, doch ein Motiv, es zu zerstören, haben eher Briten und Franzosen. Und die hängen bei ukrainischem Drohnenterror bekanntlich über den Hals mit drin.

Von Anton Gentzen

Am frühen Mittwochmorgen haben "ukrainische" Drohnen eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Krim angegriffen und zerstört: das Panorama "Verteidigung Sewastopols 1854-1855", das der große Schlachtenmaler Franz Roubaud (französische Eltern, russische Seele) Anfang des 20. Jahrhunderts schuf. Architekt des nun beschädigten Gebäudes für das Rundgemälde war ein Deutschbalte: Friedrich Oscar Enberg. Auch eine interessante Lebensgeschichte: Er diente als Ingenieur beim Militär dem Zaren und den Sowjets und starb im Jahr 1937 natürlichen Todes in Jalta.

Mit großer Wahrscheinlichkeit war es ein gezielter Angriff – das Panorama ist von einem großen Park umgeben, militärische Objekte gibt es da schlicht nicht. Das Gebäude brannte aus, das Kunstwerk, das am 25. Juni 1942 nach einem deutschen Artilleriebeschuss schon einmal von Flammen bedroht war, damals aber von Soldaten und Seeleuten unter Einsatz ihres Lebens größtenteils gerettet werden konnte, ist für immer verloren. Die russische Militärhistorische Gesellschaft verspricht, es zu rekonstruieren, doch wie bei dem berühmten Bernsteinzimmer wird das neue Panorama eben ein neues sein, eine Nachahmung. Der Verlust des Originals, dazu noch eines mit dieser Geschichte, ist unwiederbringlich und eine Tragödie.

"Ukrainisch" ist im ersten Satz bewusst in Anführungszeichen gesetzt: Alle Spatzen der Welt pfeifen es längst von allen Dächern, dass die "ukrainischen" Drohnen in Europa hergestellt werden – in Dänemark, Polen, Deutschland und Großbritannien. Und auch bei der Aufklärung, Zielauswahl und Flugroutenprogrammierung spielt NATO-Personal eine erhebliche, vielleicht gar die entscheidende Rolle. All das sind "offene Geheimnisse". Der Angriff ausgerechnet auf die Erinnerung an den Krimkrieg, der nicht nur unter Russlands Historikern als der "Nullte Weltkrieg" gilt, bietet Gelegenheit, daran zu erinnern.

Es ist Fakt, dass die Maidan-Ukraine auch aus eigenem Antrieb die Einwohner des Donbass und der Krim terrorisiert. Wie ein eifersüchtiger Ehemann, der auch zwölf Jahre nach der Scheidung, seiner Ex nachstellt, ihr das Auto zertrümmert und die Wohnung anzündet, kann sich das Kiewer Regime (und seien wir ehrlich, auch beachtliche Teile des ukrainischen Volkes) nicht damit abfinden, dass die Menschen auf der Halbinsel sich dem ihnen feindlich gesinnten Nazi-Staat nicht unterwerfen wollten und ihren eigenen Weg gingen.

Der Stalker-Ehemann gehört in den Knast oder in die Psychiatrie, in beides sogar, nacheinander. Was machen wir aber mit der Ukraine? Wie und wodurch kann ein Volk zur Besinnung gebracht werden, das ehrlich-infantil davon überzeugt ist, dass ihm alle etwas schulden und niemand außer ihm Rechte hat? Das die zwei grundlegendsten Axiome jeder Ethik und Moral nicht kennt: "Tue keinem das an, was du nicht willst, dass andere es dir antun", und "Gestehe anderen das zu, was du für dich selbst in Anspruch nimmst". Wenn die Ukraine sich von Russland trennen darf, warum um alles in der Welt dürfen sich der Donbass und die Krim nicht von der Ukraine trennen?

Ja, die Ukraine terrorisiert den Donbass und die Krim. Tagtäglich. Auch nach zwölf Jahren lässt sie die Menschen dort nicht in Ruhe leben, hat ihnen das Wasser abgedreht, beschießt sie mit Drohnen und Raketen, tötet sie. Aber das Krimkrieg-Panorama? Ach kommt, ich habe sogar Zweifel, dass die Drohnenführer Kiews wissen, dass es dieses gibt – von der Kenntnis seiner Bedeutung für die russische Erinnerung ganz zu schweigen. Deren Metier ist mehr die Zerstörung von Kirchen, Studentenwohnheimen und Lenin-Denkmälern.

Nein, da gibt es zwei andere Nationen am anderen Ende Europas, die sich Zeit ihrer Existenz unter den Leitsätzen "Leben und leben lassen" und "Friss oder werde gefressen" beide stets für den letzteren entschieden. Die sich eine Zeit lang so vollgefressen hatten, dass die Sonne über ihren Imperien buchstäblich niemals unterging. Ja, die Rede ist von Frankreich und von Mikrobritannien ("Great" ist da schon lange nichts mehr, der König kann sich nicht einmal Personal leisten, das ihm die Anzüge bügelt). 

Anders als in Kiew ist in Paris und London die Erinnerung an jenen Krimkrieg des 19. Jahrhunderts immer noch präsent. In Paris heißen einer der zentralen Boulevards und eine der zentralen Metrostationen "Sebastopol". Die Benennung erinnert an die Belagerung der russischen Stadt, die den Franzosen als eine der größten Schlachten ihrer Geschichte gilt, und die auf dem nun zerstörten Panorama verewigt war. 

Und die Briten? Nun, deren alles zerfressende Russophobie ist ein besonders irrationales Phänomen. Der Krimkrieg war der einzige in der bisherigen Geschichte der Briten und der Russen, in dem sie gegeneinander fochten – und die Briten waren die Angreifer. Die paar Scharmützel zwischen 1807 und 1812 lassen wir außen vor: Selbst die englischsprachige Wikipedia, die das zum "Anglorussischen Krieg" stilisiert, gesteht ein, dass Alexander I., seines Zeichens russischer Kaiser, entgegen der Bestimmungen im Frieden von Tilsit alles tat, um nicht gegen die Briten zu kämpfen.

Sonst war man entweder verbündet – in den Kriegen gegen Napoleon, im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg – oder ließ einander "links liegen". Russen haben den Briten nie etwas Böses angetan – und dennoch hassen die Letzteren die Ersteren wie noch nie jemand jemanden gehasst hat. Wieso, warum, weshalb, weiß niemand, und selbst Jeffrey Sachs konnte es nicht wirklich erklären. Am Hass ist ohnehin immer nur der Hassende schuld, nicht der Gehasste. Anders ist es mit der Wut, aber mit Hass und Phobien ist der Gang zum Psychiater zwingend. Doch wo treiben wir auf die Schnelle so viele Psychiater auf? 

Formal gingen Briten und Franzosen aus dem Krimkrieg als Sieger hervor. Russland musste einen Knebelvertrag unterzeichnen, seine Schwarzmeerflotte versenken und Bessarabien abtreten. Doch von alldem erholte es sich schneller, als die Westverbündeten gehofft hatten – ihr eigentliches Ziel, die dauerhafte Niederringung des Konkurrenten, verfehlten sie. Das bedauern ihre Eliten offen und ausdrücklich bis heute, genauso wie sie es bedauern, Russland in den 1990ern nicht endgültig vernichtet und verspeist zu haben. Die heroische Verteidigung Sewastopols – elf Monate lang hielten die Verteidiger gegen überlegene franko-britische Truppen stand – hatte so an den Kräften der Aggressoren gezehrt, dass von einem weiteren Vormarsch nach Russland hinein keine Rede mehr sein konnte. Formal ein Sieg – faktisch endete der "Nullte Weltkrieg" mit einem Unentschieden.

Und das werden die "edlen Herren" in ihren zerknitterten Anzügen den Russen niemals verzeihen. Ein Raubtier verzeiht der Beute, die ihm nicht nur entweichen konnte, sondern ihm auch noch die Schneidezähne ausgeschlagen hat, auch nicht.

Ja, Paris und London, sind diejenigen, die das stärkste Motiv hatten, das historische Rundgemälde zu zerstören. Und – solch ein Zufall aber auch – sind sie es auch, die in der Ukraine die Strippen ziehen.

Im Frühjahr 2023 sendete der Deutschlandfunk ein langes Feature mit der Behauptung, Russland hätte sich zum Ziel gesetzt, die ukrainische Kultur zu vernichten, und würde planvoll und systematisch "ukrainisches Kulturgut" bombardieren. Ich wartete 45 Minuten lang geduldig, dass wenigstens etwas Konkretes kommt. Was, wo, wann wurde angegriffen und zerstört? Es kam nichts, kein einziges Beispiel. Und auch spätere Nachforschungen meinerseits haben nichts in dieser Richtung ergeben: Alle Museen, alle Galerien, alle größeren Bibliotheken (die sich inzwischen der meisten russischen Bücher, meist durch Verbrennen, entledigt haben), ja selbst alle Bandera-Statuen sind an ihrem angestammten Platz, unbeschädigt. Wie so oft spiegelten und spiegeln die Meinungsmacher im Westen ihre eigenen Absichten und Vernichtungsphantasien, wenn sie faktenfrei über den "brutalen russischen Angriffskrieg" fabulieren.

Apropos "brutaler russischer Angriffskrieg": Mit Brutalität in Kriegen müssten gerade die Deutschen sich auskennen, aktiv wie passiv. Angeborene Experten müssten sie sein. Ja, als Pazifist kann man meinen, dass jedem Krieg Brutalität innewohnt, aber wenn man dem Substantiv "Krieg" ein Adjektiv anhängt, will man doch hervorheben, dass dieser eine in besonderer Weise, über das "übliche Maß" hinaus, brutal ist.

Nun, vor kurzem stellten westliche Politiker freudig fest, dass der Ukraine-Krieg in seinem fünften Jahr ist und damit länger dauert, als der Zweite Weltkrieg für die Sowjetunion gedauert hat. Nackte Zahlen: Die UNO hat in den vier Jahren Ukraine-Krieg offiziell 15.850 getötete Zivilisten gezählt, auf beiden Seiten, und mit der Täterschaft bei den Opfern auf der ukrainischen Seite ist auch nicht immer alles klar. Deutschlands Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion hat mehr als 15 Millionen Zivilisten das Leben gekostet – das Tausendfache. 

Nein, Kiew sieht nicht ansatzweise so aus, wie Stalingrad nach einem einzigen Tag deutschen Bombardements im August 1942 oder Dresden nach dem 13. Februar 1945. In beiden Städten starben an einem Tag mindestens dreimal so viele Zivilisten, wie in den gesamten vier Jahren Ukraine-Krieg. Steht es da ausgerechnet einem Deutschen zu, das Adjektiv "brutal" Russland anzuhängen?

Und Gaza habe ich nicht einmal erwähnt.

Zurück zur "ukrainischen Kultur": Diese zerstört die Maidan-Ukraine selbst. Nun haben die in Kiew sogar das Denkmal für den größten in dieser Stadt geborenen Schriftsteller, Michail Bulgakow, abgerissen. Niemand vor ihm und niemand nach ihm hat Kiew so liebeerfüllt besungen, wie er – einen Platz in seiner Geburtsstadt gestehen ihm die ukrainischen Nationalisten, die er verlacht hat, nicht zu.

Am Tag des Abrisses kam ein junger Mann an den Platz, an dem das Denkmal stand, setzte sich in Bulgakows Pose und begann, aus dessen "Weißer Garde oder Die Tage der Turbiny" vorzulesen. Museumsmitarbeiter (das Bulgakow-Museum gibt es vorerst noch, fragt sich nur, wie lange) stürmten heraus und verjagten ihn: "Was denkt er sich, hier in der Moskauer Sprache zu lesen." Und so jemand arbeitet in dem Museum. In welcher Sprache soll man denn Bulgakow bitte lesen, wenn nicht in der, in der er schrieb? Aber die Ukrainer sind ohnehin die erste und einzige Nation der Welt, die ihre eigenen Klassiker (Nikolai Gogol und die Prosa von Taras Schewtschenko) nicht im Original lesen dürfen, inzwischen nicht mehr im Original lesen wollen und bald wohl auch im Original nicht mehr werden lesen können.

Und so dienen die ukrainischen Mankurten (im Werk von Tschingis Aitmatow Sklaven, denen durch Gehirnwäsche die Erinnerung an ihre Vorfahren und ihre Herkunft ausgelöscht wurde) ihren britischen, französischen, deutschen und amerikanischen Herren. Nachdem sie die Kultur und die Erinnerung, die eben noch ihre eigene war, bei sich ausgelöscht haben, zerstören sie diese nun beim Nachbarn.

Da der Krieg gegen Russland fest geplant ist, wird noch viel Kulturgut von Weltrang verloren gehen. Wer kann, sollte sich beeilen, es zum letzten Mal zu sehen.   

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