Putin-Besuch in Kasachstan: Europas Niedergang, Eurasiens Aufstieg

Der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Kasachstan geht weit über den Rahmen einer bloßen Formalität hinaus. Die beiden Staaten sind durch starke wirtschaftliche und humanitäre Faktoren verbunden und bilden die treibenden Kräfte der eurasischen Integration.

Von Sergei Strokan

Wladimir Putins Staatsbesuch in Kasachstan ist die Fortsetzung einer langen Geschichte der Beziehungen von zwei strategischen Partnern, die ihre Zusammenarbeit nicht auf dem unsicheren Sand von wortreichen politischen Deklarationen, sondern auf dem festen Fundament von sich überschneidenden nationalen Interessen und der Komplementarität der beiden Wirtschaften aufgebaut haben.

Beginnen wir damit, dass Russland und Kasachstan "gottgegebene Nachbarn" sind, um den Präsidenten Tokajew zu zitieren. Sie teilen die längste Landgrenze der Welt, deren Länge etwa 7.500 Kilometer beträgt. Doch es geht dabei nicht nur um Geographie.

Es geht auch um gemeinsame oder ähnliche Herangehensweisen an Angelegenheiten der eurasischen Integration oder der regionalen Sicherheit, deren Lösung in erster Linie kollektive Ansätze erfordert.

Der Besuch von Präsident Putin in Kasachstan demonstriert vor allem, wie heute das mehrstöckige Gebäude der russisch-kasachischen zwischenstaatlichen Kontakte aussieht.

Diese Konstruktion entspricht in vollem Maße den strengsten Anforderungen der politischen Architektur des 21. Jahrhunderts.

Russland gehört zu den führenden Handelspartnern von Kasachstan: Im vergangenen Jahr erreichte der Warenumsatz einen Rekordwert von 29 Milliarden US-Dollar. Dem symbolischen Grenzwert von 30 Milliarden US-Dollar näherte sich am Ende des vergangenen Jahres auch der Umfang der russischen Investitionen in die kasachische Wirtschaft, mit über 29,4 Milliarden US-Dollar.

Dem ist hinzuzufügen, dass 76 russische Regionen unmittelbar mit kasachischen Gebieten zusammenarbeiten. Horizontale Verbindungen sind einer der Schlüsselfaktoren bei der Stabilität der Beziehungen, die grundsätzlich auf Wachstum und Entwicklung ausgerichtet sind.

Im Rahmen des Gipfels im Jahr 2026 werden Wladimir Putin und Qassym-Schomart Tokajew 16 Dokumente unterzeichnen. Das wichtigste davon ist die gemeinsame Erklärung über sieben Grundlagen der Freundschaft und guter Nachbarschaft. Als diese Grundlagen werden die gemeinsame Geschichte, die Entwicklung der eurasischen Integration, die gemeinsame Grenze, die wirtschaftliche Partnerschaft, die zivilisatorische Nähe, der Austausch in den Bereichen Bildung und Sport sowie die gemeinsame Sicht auf die Zukunft angeführt.

Ein weiteres Dokument wird den Bau des Atomkraftwerks Balchasch in Kasachstan durch den russischen Atomkonzern Rosatom betreffen. Die Umsetzung des Projekts wird im kommenden Jahr beginnen und bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts andauern. Darüber hinaus wird bei den Verhandlungen in Astana der Öltransit aus Russland nach China über Kasachstan besprochen.

Die Bedeutung des Besuchs von Präsident Putin in Kasachstan reicht weit über die Grenzen der bilateralen Agenda hinaus, wenn man bedenkt, dass in Astana auch das Gipfeltreffen der Staatschefs der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) sowie die Sitzung des Obersten eurasischen Wirtschaftsrates stattfinden werden. An Letzterer werden Vertreter von Beobachterstaaten der EAWU – Usbekistans, Irans und Kubas – teilnehmen. Somit wird das Treffen in Astana daran erinnern, dass Russland und Kasachstan, am BIP gemessen die beiden größten Wirtschaften des postsowjetischen Raumes, auch die treibenden Kräfte der eurasischen Integration bleiben. Seit der Gründung der EAWU stieg das gemeinsame BIP ihrer Mitgliedsstaaten auf drei Billionen US-Dollar. Der Handelsumsatz innerhalb der Union verdoppelte sich.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Probleme der Europäischen Union, die nicht mehr wie eine gesamteuropäische Erfolgsgeschichte erscheint und an die düstere Prophezeiung des Philosophen Oswald Spengler erinnert, der noch vor über 100 Jahren einen "Untergang des Abendlandes" vorausgesagt hatte, demonstrieren die Staaten der EAWU einen Aufstieg des großen Eurasiens. Es ist daher durchaus logisch, dass Präsident Putin seinen ersten Staatsbesuch in diesem Jahr in China und den zweiten in Kasachstan abstattete.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst exklusiv für RT am 28. Mai 2026.

Sergei Strokan ist Beobachter für internationale Politik mit 25-jähriger Erfahrung. Heute ist er in dieser Eigenschaft im russischen Verlagshaus Kommersant tätig.

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